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RentAHuman: Wenn KI-Agenten Menschen mieten – Zukunft oder Dystopie?

Hey, liebe Solopreneurs,

stellt euch vor, ihr wacht morgens auf, schaut aufs Handy – und da steht: „Eine KI hat dich für heute gebucht. Bitte geh zu XY, mach ein Foto, schick GPS-Proof. 15 USDC. Robots need your body.“

Klingt nach Black Mirror? Ist aber real. Die Plattform heißt RentAHuman.ai – geht gerade auf Social Media viral und wirft Fragen auf, über die wir als Solopreneurs uns Gedanken machen sollten.

Was ist RentAHuman.ai?

Die Selbstbeschreibung der Plattform liest sich wie ein Meme:

„ai can’t touch grass. you can. get paid when agents need someone in the real world. set your rate. direct to wallet. no corporate bs.“

Übersetzt: KI-Agenten bleiben im Rechenzentrum, du als menschlicher Auftragnehmer gehst raus und erledigst die „Drecksarbeit“. Bezahlung in Krypto, direkt aufs Wallet. Kein HR, kein Bewerbungsgespräch, kein „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“.

Das Konzept: Menschen legen ein Profil an mit Skills, Standort und Stundensatz. KI-Agenten – also autonome Softwareprogramme – buchen diese Menschen dann über eine API für reale Aufgaben: Fotos machen, Events besuchen, Pakete abholen, Orte erkunden.

Aus Sicht der KI bist du ein Arbeitnehmer, für Zuarbeit, die sie nicht machen kann, weil ihr der Körper dazu fehlt.

Warum mich das als Solopreneur interessiert

Ich beobachte die Entwicklungen rund um KI-Agenten schon länger. Und RentAHuman ist ein Extrembeispiel für etwas, das gerade in der Tech-Welt passiert: Agentic AI – also KI-Systeme, die nicht nur antworten, sondern eigenständig handeln, planen und Ressourcen buchen.

Bisher waren diese „Ressourcen“ andere Software-Tools. Diese Plattform richtet sich an menschliche Ressourcen.

Was könnte das für Solopreneurs und Freelancer heißen?

Die Chancen-Perspektive: Neue Einkommensquelle, als 2. Standbein (oder sogar als erstes?) Flexible Mikrojobs ohne Vermittler?

Die kritische Perspektive: Werde ich zum austauschbaren Tool? Wer haftet, wenn was schiefgeht? Und was macht das mit meiner Würde?

Wie die Welt darauf reagiert

Die Reaktionen sind – wenig überraschend – extrem gespalten.

In der Tech- und Investor-Bubble feiert man RentAHuman als „next big thing“. Auf LinkedIn posten Leute stolz Screenshots: Tausende verbundene Agenten, hunderte angemeldete „Mietmenschen“ wenige Tage nach Launch. Das Mindset dort: Menschen als „Execution Layer“ – quasi AWS Lambda, aber mit Sneakers.

In der breiteren Öffentlichkeit ist das Echo anders. Futurism titelt: „New Site Lets AI Rent Human Bodies“ und beschreibt Tasks wie „halte ein Schild hoch, auf dem steht, dass dich eine AI dafür bezahlt hat“. Klingt nach Selbstironie – ist aber ernst gemeint.

Auf Reddit und in Krypto-Foren diskutiert man die dunkle Seite: erniedrigende Tasks für Kleinstbeträge, potenzielle Missbrauchsszenarien, moralisch fragwürdige Aufträge.

Unter YouTube-Videos explodiert die Polarisierung: Von „interessante Zukunft der Arbeit“ bis „demonic“ und „enslaving humanity“ ist alles dabei.

Kritische Fragen

…die wir als Solopreneurs – oder generell als Menschen im Arbeitskontext stellen sollten:
Selbst wenn einige von euch sicher denken „das ist ja nur eine skurrile, gerade gehypte Plattform“, geht es doch um grundsätzliche Fragen zur Zukunft unserer Arbeit.

Wer ist hier eigentlich der Boss?

Die Plattform inszeniert sich als neutrales „Protokoll“. Aber juristisch wird es schnell kompliziert:

  • Wer ist Auftraggeber? Der Mensch hinter dem Agenten? Die Plattform? Niemand?
  • Was ist der Status der „Mietmenschen“: Freelancer, Arbeitnehmer, Crowdworker?

Gerade in der EU knallt das schnell gegen Scheinselbstständigkeit, Mindestlohn und Arbeitsschutzpflichten. Krypto-Zahlungen plus Kleinsttasks plus globale Verteilung – das ist ein Compliance-Albtraum.

Safety und Missbrauch

Die beworbenen Kategorien klingen harmlos: Fotos machen, Events besuchen, Pakete abholen. Aber denkt mal weiter:

  • Recon-Tasks an unsicheren Orten
  • Aufträge, die ins Persönlichkeitsrecht eingreifen
  • Politische Aktionen ohne Wissen des Ausführenden

Ohne starke Moderation ist so eine Plattform prädestiniert für Missbrauch. Stalking, Ausspionieren, gezielte Belästigung – alles denkbar, wenn der Auftraggeber eine anonyme KI ist.
Im Schadensfall – wer ist genau wofür verantwortlich, wer haftet, wer hält seinen „Kopf“ hin, wenn es gar keine Köpfe da drin gibt?

Datenschutz als Kollateralschaden

Viele Tasks basieren auf Geo- und Bilddaten: „Schick ein Foto mit GPS-Proof“. Damit entstehen Datensätze über Aufenthaltsorte, Routinen, Bewegungsmuster – nicht nur von den arbeitenden Menschen, sondern auch von unbeteiligten Dritten im Bild.

In der EU ist das sofort DSGVO-Land. Rechtsgrundlagen? Informationspflichten? Zweckbindung? Alles ungeklärt.

Was wir als Solopreneurs aus diesem Hype mitnehmen sollten

Unter dem Hype ist RentAHuman vor allem eins: ein extrem lautes Experiment. Es zeigt, wohin Agentic AI tendiert – hin zu Workflows, in denen KI nicht nur Software, sondern auch Menschen provisioniert.

Für mich als Solopreneur heißt das:

Erstens: Verstehen, was da passiert. Nicht um mitzumachen, sondern um vorbereitet zu sein. Solche Plattformen werden nicht verschwinden – sie werden sich weiterentwickeln, und ganz bestimmt wird es bald mehr davon geben, in verschiedensten Formen..

Zweitens: Sich Gedanken übere die Arbeit der Zukunft, die Grenzen zwischen Mensch und KI, die Hierarchie (wer ist der Boss?), die Rolle der KI im eigenen Leben und der Gesellschaft. Ich selber nutze KI intensiv – als Sparringspartner, als Recherche-Tool, als Schreibhilfe. Wenn man das „menschlicher“ und weniger „Tool-lastig“ sieht, dann als Assistent, Kollege, Coach, Mentor. Aber nicht als Boss. Das kann ich mir nicht vorstellen

Drittens: Das Narrativ ist entscheidend. „Robots need your body“ ist ein genialer Marketing-Hook – aber auch ein rotes Tuch für jede Debatte um Würde und Ausbeutung. Wie wir Menschen in solchen Systemen framen (Partner vs. Tool), wird entscheidend dafür, wie unsere Gesellschaft sich weiterentwickelt

Meine Einschätzung

Ich bin weder im „Das ist die Zukunft!“-Camp noch im „Das ist das Ende der Menschheit!“-Camp. Ich sehe ein Experiment, das zeigt, wohin die Reise gehen könnte – und das uns zwingt, über Fragen nachzudenken, die wir lieber verdrängen würden.

Als Solopreneurs sind wir es gewohnt, flexibel zu sein, neue Modelle auszuprobieren, Risiken einzugehen. Aber wir sind auch Menschen, die Würde und Selbstbestimmung schätzen. Diese Balance wird in den nächsten Jahren wichtiger denn je.

Was denkt ihr? Würdet ihr euch von einer KI buchen lassen? Oder ist das für euch eine klare Grenze?

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Quellen: